Frau im Homeoffice mit Sohn auf dem Sofa

Der Homeoffice Ratgeber der Telekom

Homeoffice mit Kindern

HomeOffice mit Kindern - wie meistert man das?

In der ersten Episode des Homeoffice Ratgebers haben wir mit Julia Reuter zum Thema HomeOffice mit Kindern gesprochen. Hier können Sie Nachhören und Nachlesen, wie Sie selber fokussierter und motivierter arbeiten, wie wichtig die offene Kommunikation mit den Kindern ist und welche Tipps Julia Müttern und Vätern gibt, um den gemeinsamen Alltag durch Visualisierung besser zu strukturieren. 

Das Experteninterview zum Nachlesen

In der ersten Episode des Homeoffice Ratgebers geht es um Homeoffice mit Kindern. Sven Giebler, Moderator und Digitalberater, hat Julia Reuters zu diesem Thema interviewt.

Julia ist Mutter von zwei Töchtern (5 und 8 Jahre alt) und als Expertin für Markenentwicklung und Markenpositionierung tätig. Sie arbeitet bereits seit 2018 komplett remote und freiberuflich von zuhause. Doch durch den Lockdown und die Schließung der Schulen und Kitas musste sie ihren kompletten Tagesablauf umstellen und sich mit den Kindern zuhause neu organisieren. “Also viel fremdbestimmte als vorher”, wie Julia sagt.

Die Arbeit zuhause im Homeoffice mit der Doppelbelastung und der Verantwortung für ihre beiden Töchter empfindet Julia ganz klar als anstrengend, weil sie nicht mehr so vorankommt, wie sie es gerne möchte oder kannte. Inzwischen hat Julia schon einige Monate gemeinsam mit ihren Töchtern im Homeoffice verbracht und gibt Müttern und Vätern im Homeoffice folgenden Tipp mit an die Hand:

“Was ich ganz wichtig finde ist, die Situation anzuerkennen, also die persönliche Situation sich nicht zu vergleichen, weil Vergleiche bringen einen immer weg von einem selbst. Und zu sagen was kann ich denn ändern und das dann auch versuchen zu ändern oder was, kann ich nicht ändern. Es ist halt Fakt und dann am besten es zu akzeptieren und darüber auch seine eigenen Energien zu haushalten. Weil, man [kann] sich im Frust [...] verlieren. Das kostet halt unheimlich viel Kraft und die brauchen wir eigentlich besser viel für unsere Aufgaben. Und deswegen ist dieses Annehmen von der Situation glaub ich so der erste Schritt.”

Sie verrät uns, wie sie es schafft sich in der aktuellen Situation zu motivieren und zu fokussieren.

“Ich glaube, dieses Thema Fokus ist ganz wichtig für Produktivität, weil wenn wir wirklich uns mal bewusst machen, was uns vielleicht alles - sag ich mal noch an Überflüssigem aufhält, also die Zeitfresser zu identifizieren. Und es gibt sie, jeder hat kleine Zeitfresser in seinem Alltag und die dann wirklich auszumerzen. Da können wir dann einfach nochmal ganz viel gewinnen und auch zu priorisieren und zu sagen: Was ist denn wirklich dringend und wichtig und muss heute und jetzt erledigt werden. Und am besten noch mit der wichtigsten Aufgabe zu beginnen und darüber halt sag ich mal, in einen Zustand von einem ergebnisorientierten Arbeiten zu kommen und die Aufgaben zu erledigen, die zu erledigen sind.”

Bei der Strukturierung der gemeinsamen Tagesabläufe helfen ihr vor allem verschiedene Visualisierungsmethoden und klassisches Projektmanagement.

“Wir arbeiten jetzt mit einer Uhr einfach damit. Ich stelle den Kindern eben eine Uhr, damit die wissen, wann ist zum Beispiel die Pause von der Schule wieder zu Ende. Ich hab auch von Eltern gehört, die mit Kanban-Boards (Anmerkung: Pinnwänden, die man im Projektmanagement nutzt) arbeiten und Post-its, um auch älteren Kindern zu visualisieren, was an Aufgaben am Tag dran sind, um sich selber gemeinsam einen guten Tagesablauf zu erarbeiten. Was uns ja stresst ist, dass gerade die Bedingungen sich ständig ändern. Und wenn wir uns neu - also wenn wir offen sind, uns an diese Tagesabläufe neu anzupassen und zu gucken, was funktioniert denn gut. Also was, was passt, was funktioniert überhaupt nicht und was müssen wir besser machen? So klassisches Projektmanagement, um diesen Tagesablauf halt neu zu definieren, sodass er für alle möglichst gut funktioniert.”

Das Thema Transparenz und Kommunikation nach innen und außen ist ein weiterer wichtiger Faktor. Hier spielt die Kommunikation innerhalb der Familie und auch mit ihren Auftraggebern und Kunden eine große Rolle.

Julia sagt: “Ich versuche zum einen, die Kinderhand mitzunehmen, indem ich mit ihnen offen spreche und dass sie einfach meine Situation verstehen, dass ich aber auch frage, wie es ihnen geht. Dass wir uns dann auch während des Tages vielleicht schöne Inseln schaffen für Momente, wo wir zusammen sind. Und gleichzeitig nach außen zu versuchen, alle mitzunehmen. Weil wenn man nicht sagt, was das Problem ist, dann kann der andere das ja schlecht, schlecht erkennen. Ich mag da gerne die gewaltfreie Kommunikation, also vorwurfsfrei zu kommunizieren, um empathisch mit Konfliktsituationen umzugehen und auch Empathie auszulösen. Also einfach ganz klar zu sagen „Das sind halt meine Herausforderung, das brauche ich, damit es besser klappt oder das hilft mir - und das erschwert es mir!“ und sich darüber halt mitzuteilen.”

Frau schaut ins Bild
Julia Reuter, Digital Marketing Strategist & Brand Expert

Julia Reuter ist Gründerin von Herzblut Digital und Expertin für Markenentwicklung und Markenführung. Zudem ist sie Mutter von zwei kleinen Mädchen – und somit die Expertin für das Thema „Homeoffice mit Kindern“. Im Homeoffice-Ratgeber gibt sie wertvolle Tipps und Tricks.

Müttern und Vätern im Homeoffice, wo der Stress nicht weniger, sondern eher mehr wird, gibt sie folgenden Rat für mehr Gelassenheit mit auf den Weg:

“Gelassenheit und Vertrauen im Sinne von „Wir geben ja schon sehr viel und wir geben unser Bestes“ - und dann bleibt mal vielleicht auch einfach einiges liegen. Und das ist auch total okay, weil die Situation ist einfach eine Ausnahmesituation.”

Julia empfiehlt das Prinzip „Faule Eltern“ und das dazugehörige Buch von Tom Hodgkinson. Das Buch klärt u.a. darüber auf, dass Kinder daran wachsen und dass sie eine höhere Frustrationstoleranz haben, wenn nicht immer alles sofort springt. Sie betont allerdings, dass es da auch auf das Alter der Kinder ankommt. Hier sollte man versuchen selber gelassener zu werden und Vertrauen zu haben, dass die Kinde den Weg gut mitgehen und mitziehen.

In diesen Zeiten ist es ebenso wichtig im Freundeskreis oder innerhalb der Familie oder sogar darüber hinaus um Hilfe zu bitten.

“Ich sag mal, ich habe so ein kleines Mütter-Team mit zwei Freundinnen, die könnte ich jederzeit ansprechen, wenn mal Not am Mann ist, wo man mal wirklich sich gegenseitig auch hilft. Genau. Und das versuche natürlich so wenig wie möglich in Anspruch zu nehmen, weil dann doch das schlechte Gewissen da ist, obwohl man eigentlich besser kein schlechtes Gewissen und keine Schuldgefühle haben sollte in dieser Zeit. Aber ich sag mal, bevor man im Burnout landet, ist wahrscheinlich doch besser die Kids mein Tag in die Not Betreuung zu schicken und sich Zeiten für die Regeneration zu gönnen, als dann wirklich komplett irgendwann umzukippen.”

Wichtig für erfolgreiches Homeoffice mit Kindern ist außerdem, dass die Rollenverteilung innerhalb der Familie neu bedacht wird.

“Ich glaube, das Thema faire Aufteilung ist ein ganz wichtiger Tipp, weil Egotrips führen nach nirgendwo, dass man einfach guckt, wie man sich untereinander unterstützt und auch vielleicht mal die Rollenmodelle so ein bisschen überdenken”, sagt Julia.

Man spricht oft von Chancen in der Krise und auch Julia sieht für sich und ihre Töchter die Chance, aus dieser Pandemie gestärkt als Familie hervorzugehen.

“Wir dürfen die oft ganz klar die kleinen Erfolge feiern, was wir eigentlich alles schaffen. Also an diesem „Ich hab's geschafft“, da wächst man auch dran. Also ich hab das vom letzten Lockdown erlebt. Das hat mir ein enormes Selbstvertrauen zu geben, wie viel ich eigentlich schaffe, trotz der Situation, trotz dessen, die Kinder da sind und das dann halt auch anzuerkennen. Und daran wächst man ja selbst persönlich, weil man dann einfach weiß, dass man die Kraft und die Power hat, auch durch schwierige Situationen durchzukommen und auch die Kinder zu bestärken, dass sie das toll gemacht haben. Also zu loben und anzuerkennen, wie gut die das auch einfach machen. Meist ist ja für uns alle eine besondere Situation.”

Viele Mütter und Väter fragen sich: Wie visualisiere oder strukturiere ich denn meinen Alltag, um meine Arbeit zu schaffen und trotzdem meiner Rolle als Mutter oder Vater gerecht werden zu können? Hier rät Julia, dass man irgendwo auch Abstriche zulassen muss.

“Also mein Painpoint war auf jeden Fall dann plötzlich, dass die Kinder jetzt gesehen haben: Oha, Mama arbeitet total viel. Du sitzt immer so am Computer. Das haben die vorher gar nicht mitbekommen, weil da waren in der Schule und da auch wieder das Positive rauszuziehen. Weil Arbeit gehört halt zum Leben dazu. Und letztendlich können sie daraus ja auch was lernen, sag ich mal so, ne. Also lernen und daran wachsen und einfach mitkriegen, was ich da eigentlich mache. Das ist, glaube ich auch was, was wir dann anderen Blick draufhaben dürfen.”

Homeoffice mit Kindern kann also auch eine Chance als Familie bedeuten, um zusammenzuwachsen und gestärkt hervorzugehen. Wir bedanken uns bei Julia für ihre Offenheit und ihre wertvollen Tipps und Tricks für Mütter und Väter im Homeoffice.

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