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Warum Geschwindigkeit zum entscheidenden Faktor der Cyber Security wird

Jetzt oder zu spät

Zwischen einer neu entdeckten Sicherheitslücke und dem ersten Angriff lagen früher oft Wochen oder Monate. Heute können es Minuten sein. KI beschleunigt dieses Rennen weiter. Unternehmen müssen deshalb nicht nur sicherer werden. Sie müssen vor allem schneller werden.

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In Kürze

•    KI beschleunigt Cyberangriffe und verkürzt die Reaktionszeit für Unternehmen drastisch.
•    Bekannte Schwachstellen müssen schneller erkannt und geschlossen werden.
•    Automatisierung wird unverzichtbar, weil Menschen allein mit Maschinengeschwindigkeit nicht mithalten können.
•    Entscheidend ist nicht perfekte Sicherheit, sondern rechtzeitig zu handeln.

Wenn aus Monaten Minuten werden

Ein Softwarehersteller entdeckt eine kritische Schwachstelle, entwickelt ein Update und stellt es seinen Kunden zur Verfügung. Noch vor einigen Jahren blieb Unternehmen danach häufig ausreichend Zeit, dieses Update zu testen und einzuspielen. Angreifer mussten zunächst herausfinden, welche Schwachstelle geschlossen wurde und wie sie sich ausnutzen ließ. Dieses Zeitfenster schrumpft dramatisch.
KI kann Software-Updates analysieren, die geschlossene Schwachstelle identifizieren und daraus mögliche Angriffe ableiten. Was früher mitunter Monate dauerte, kann heute innerhalb von Minuten geschehen. Künftig könnten es Sekunden werden.
Damit verändert sich eine grundlegende Voraussetzung der Cyber Security: Zeit wird selbst zum Sicherheitsfaktor.

Angreifer arbeiten in Maschinengeschwindigkeit

KI macht Cyberkriminelle nicht zwangsläufig kreativer. Sie macht sie vor allem schneller. Automatisierte Systeme können innerhalb kürzester Zeit große Mengen an Code untersuchen, Schwachstellen miteinander kombinieren und unterschiedliche Angriffswege ausprobieren. Scheitert ein Weg, wird der nächste getestet. Und das alles in einer Geschwindigkeit, die ein Mensch nicht erreichen kann.
Für die Verteidigung entsteht daraus ein grundlegendes Problem. Wenn ein Security-Team erst nach mehreren Minuten auf einen Alarm reagiert, kann ein automatisierter Angriff zu diesem Zeitpunkt längst durch das Unternehmen gelaufen sein. Der Mensch bleibt wichtig. Aber er kann nicht mehr an jeder Stelle der Prozesskette der Erste sein, der reagieren muss.

„Die Reaktionszeit, die der Verteidiger hat, sinkt dramatisch.“

Thomas Tschersich, Chief Security Officer (CSO) der Deutschen Telekom AG

Automatisierung wird zur Voraussetzung

Die Antwort darauf kann nicht darin bestehen, immer mehr Menschen vor immer mehr Bildschirme zu setzen. Schon heute entstehen in Security Operations Centern Datenmengen, die sich manuell nicht mehr sinnvoll auswerten lassen. Deshalb müssen große Teile der Cyberabwehr automatisiert ablaufen: Daten erfassen, Auffälligkeiten erkennen, Informationen miteinander abgleichen, Risiken bewerten und geeignete Gegenmaßnahmen vorbereiten.
Das gilt auch für das Schließen von Schwachstellen. Wenn KI künftig innerhalb kurzer Zeit Tausende Sicherheitslücken in einer Codebasis findet, können diese nicht alle manuell bearbeitet werden. Dieselbe Technologie, die Schwachstellen entdeckt, kann auch Vorschläge für deren Behebung entwickeln und Änderungen anschließend erneut testen. Das bedeutet nicht, dass der Mensch aus der Cyber Security verschwindet. Bei kritischen Entscheidungen bleibt ein Human-in-the-Loop wichtig. Aber Technologie muss ihm die Arbeit abnehmen, die in Maschinengeschwindigkeit erledigt werden muss.
 

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Nicht alles braucht Perfektion

Geschwindigkeit bedeutet allerdings nicht, Sicherheitsentscheidungen blind zu automatisieren. Unternehmen müssen wissen, welche Risiken besonders relevant sind und an welchen Stellen menschliche Entscheidungen unverzichtbar bleiben. Vor allem aber sollten sie sich nicht von der Komplexität der Aufgabe lähmen lassen. Noch immer bleiben bekannte Schwachstellen zu lange offen, Updates werden aufgeschoben oder grundlegende Sicherheitsmaßnahmen nicht umgesetzt.
Dabei muss der erste Schritt nicht perfekt sein. Ein solides Sicherheitsniveau, das heute umgesetzt wird, kann wertvoller sein als eine perfekte Lösung, die erst in zwei Jahren verfügbar ist. Cyber Security wird damit immer stärker zu einer Frage der Entscheidungs- und Umsetzungsgeschwindigkeit.

Jetzt oder zu spät

Das bekannte Prinzip „Jetzt oder später“ funktioniert in der Cyber Security immer weniger. Denn Angreifer warten nicht darauf, bis Unternehmen ihre Prozesse abgeschlossen, Budgets freigegeben oder Updates ausführlich getestet haben. Die Zeit zwischen Bekanntwerden einer Schwachstelle und ihrer Ausnutzung wird weiter schrumpfen. KI wird diese Entwicklung zusätzlich beschleunigen.
Unternehmen müssen deshalb ihre Sicherheitsprozesse auf eine Welt ausrichten, in der Angriffe in Maschinengeschwindigkeit stattfinden. Dazu gehören schnelle Updates, automatisierte Erkennung und Abwehr sowie klare Entscheidungen darüber, wann der Mensch eingreifen muss. Es geht nicht darum, hektischer zu werden. Es geht darum, schneller handlungsfähig zu sein. Denn aus „Jetzt oder später“ wird in der Cyber Security zunehmend: Jetzt oder zu spät.

Portraitfoto von Thomas Tschersich von Telekom Security in weißem Hemd und schwarzem Blazer vor grünem Hintergrund

Autor: Thomas Tschersich

Thomas Tschersich ist Chief Security Officer (CSO) der Deutschen Telekom AG und CEO der Telekom Security. Er verantwortet die Cyber- und operative Sicherheit des Konzerns und verfügt über mehr als 30 Jahre Erfahrung in der Informations- und Cybersicherheit. Darüber hinaus engagiert er sich in führenden Gremien wie Deutschland sicher im Netz, dem Cybersicherheitsrat und zahlreichen Gremien für die Weiterentwicklung der Cybersicherheit in Deutschland und Europa.